Mosonmagyaróvár
Die Geschichte der Stadt
bis 1526
Mosonmagyaróvár kam aus der 1939 stattfindenden Vereinigung der zwei
Stadtteile zustande. Der Name Moson ist wahrscheinlich vom Slowakischen
abgeleitet, und bedeutet Burg im Sumpf. Die erste Erwähnung stammt aus
dem Jahre 1046 als Musun, der deutsche Name (Wieselburg) deutet auf die,
sich einst auf dem Gebiet befindliche mittelalterliche Burg hin. Der
Ortsname Óvár hängt wahrscheinlich mit dem römischen Kriegslager Ad
Flexum zusammen, welches sich auf dem Gebiet der heutigen Innenstadt und
der Burg befand. Die erste Erwähnung des Namens Mosonmagyaróvár stammt
aus dem Jahre 1263 als Ouwar, der deutsche Name Altenburg ist aus dem
Jahr 1271 bekannt. Das Vorsetzwort Ungarisch (Ungarisch Altenburg)
diente zur Differenzierung von Németóvár (Deutsch Altenburg), welches
sich östlich von Wien befindet.
Mosonmagyaróvár und die Umgebung war vermutungsweise seit der frühen
Periode der Geschichte der Menschheit bewohnt, archäologische Beweise
wurden allerdings nur aus dem 5. Jahrhundert vor unserer Zeit gefunden.
Über das Gebiet Mosonmagyaróvár gibt es nur seit der Zeit archäologische
Funde, seit man ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. das spätere Gebiet des
Komitates Moson als Teil von Pannonien dem Römischen Reich angeschlossen
hat. Seit dieser Zeit verlief die Grenze des Reiches entlang der Donau,
dessen wichtiger strategischer Punkt das neben der Mosoner Donau
errichtete militärische Lager war. Obwohl die Errichtung von Ad Flexum
vor allem militärische Gründe hatte, wurde die Entwicklung der sich
neben dem Lager entstehenden Siedlung dadurch gefördert, dass auf der
hier entlang laufenden Militärstraße der ostwestliche Handel abgewickelt
wurde. Hinter der modernen Schutzlinie fühlte sich die neben dem Militär
entstandene Industrie- und Handelsschicht in größerer Sicherheit.
Allerdings erwies sich auch diese als zu schwach, als zwischen 169-171
die am linken Ufer der Donau lebenden Germanen mit großer Gewalt die
Grenze durchbrachen. In den, während dieser drei Jahre geführten Kämpfen
wurde die neben dem Limes und dem Lager befindliche Siedlung fast
komplett zerstört. Später, im 3. Jahrhundert fand hier erneut ein
Aufschwung statt, aus dieser Zeit wurden viele Funde geborgen
(Schmucksachen, Gefäße, Bronze- und Keramikgegenstände). Die Anzahl der
Einwohner der Siedlung betrug 3000-4000 Mann, und das Truppenlager
befand sich auf dem Gebiet der heutigen Magyar utca (Ungarische Straße)
bis zur Mitte der Károly liget (Karl-Au). Nach dem Tod von Valentinianus
im Jahre 375 waren die Einwohner wegen den Angriffen der Hunnen
gezwungen zu fliehen, und während der späteren langobardischen und
awarischen Herrschaft wurde die Siedlung und der größte Teil des Lagers
wahrscheinlich zerstört. Die Bezeichnung Óvár (Altenburg) bestätigt,
dass einige Teile der Siedlung und des Lagers auch noch im Zeitalter der
Arpaden bestanden haben muss, und diese bildeten die Basis auf der die
mittelalterliche Stadt aufgebaut werden konnte.
Nach dem Sturz des awarischen Reiches im
Jahre 796 schloss Karl der Große die Gebiete der Mosoner Donau, die vor
allem von Slowaken bewohnt waren, an sein Reich an. Die Rolle von Moson
wuchs zu dem Zeitpunkt, als Stephan der Erste als Basis der zentralen
Macht und zum Schutz der Grenzen ein Komitatszentrum und eine Königsburg
erbaute. Die Siedlungen der Umgebung organisierten sich um diese, aus
Balken zusammengefügte Mosoner Vogt-Burg (Királydomb – Königshügel). Der
innere Umfang dieser später mit einer Steinwand gefestigten Schanzenburg
betrug 150-170 x 70- 90 m. Moson wurde in den Chroniken des 11.
Jahrhunderts als starke Burg und belebte Handelsstadt erwähnt. Trotzdem
konnte die Besatzung im Jahre 1030 nicht verhindern, dass der deutsche
Kaiser Konrad der Zweite mit seinem mächtigen Heer die Burg besetzt und
bis zum Fluss Rába vordringt. Zwischen 1063 und 1067, also während der
Zeit der Thronstreitigkeit, hielt sich König Salamon oft in der Mosoner
Burg auf. Eine weitere wichtige Rolle spielte die Burg während der
Kreuzzüge im Jahre 1096, als König Kálmán zwischen Moson und Gyor das 15
Tausend Soldaten große schwabische-bayerische Heer bezwang, und im
selben Jahr die Armee von Graf Emicho mit 30 Tausend Soldaten in die
Flucht schlug. Moson machte im Laufe des 13. Jahrhunderts eine große
Entwicklung mit. Die Donau und die einstige römische Straße waren
wichtige Handelsrouten, auf denen der Königszoll eingesammelt wurde.
Schiffmühlen mahlten auf der Mosoner Donau das Getreide der Umgebung,
und die Aufrechterhaltung der Häfen war mit geringfügiger industriellem
Aufschwung verbunden. Eine Urkunde erwähnt auf dem Markt der Burg ein
großes Steinhaus, und schon ab dem 11. Jahrhundert könnte in der Mitte
der heutigen Soproner Straße eine Steinkirche gestanden haben. Dieser
Entwicklung setze der Feldzug des Tschechenkönigs Ottokar II. im Jahre
1271 ein Ende, im Laufe dessen die Mosoner Festung dermaßen zerstört
wurde, dass unsere Könige einen Neuaufbau nicht für lohnenswert fanden,
und so wurde der Sitz der Vogtei nach Óvár verlegt.
Der Bau der Óvárer Burg wurde von
Konrad, der aus dem Gyorer Haus stammte, begonnen, der dafür von Béla
dem Vierten Besitztümer auf dem Gebiet des Komitates Moson erhielt. Kun
László überließ ihm im Jahre 1282 die Hälfte der dem König zustehenden
Abgaben, damit er seine rühmliche burgbauende Tätigkeit fortsetzen
konnte. Zum Schutz seiner Anwesen wendete sich Konrad mehrmals an die
Feinde des ungarischen Königs, an den Tschechenkönig Ottokar der Zweite
und an den österreichischen Fürst Albert. Aus diesem Grund wurden dem
Abtrünnigen seine Grundstücke im Komitat Moson aberkannt, und obwohl er
große Verdienste bezüglich der Entwicklung von Óvár leistete, starb er
letztendlich auf seinem Anwesen im Komitat Baranya. In den Jahren um
1270 und 1280 wurde wahrscheinlich der etagenförmige Wohnturm der Óvárer
Burg erbaut und ebenfalls die erste romanische Kirche der Stadt. Ab 1291
wird Óvár als Anwesen der ungarischen Königinnen erwähnt.
Die früheste Siedlungsebene von
Magyaróvár entstand nach der Verwüstung der Mosoner Burg, als die
übrigen Einwohner hier Schutz suchten. Im 14-15. Jahrhundert wurden im
großen und ganzen dem heutigen Straßennetz entsprechend mehrstöckige
Ziegelgebäude errichtet. Zu diesem Zeitpunkt entstanden die zwei Straßen
der Innenstadt (Foutca – Hauptstraße, Magyar utca – Ungarnstraße),
zwischen ihnen kleinere Gassen und Plätze. Zur Entwicklung von Óvár trug
der belebte Handel, die Industrialisierung und die in den Urkunden
erwähnte hochentwickelte Mühlenindustrie bei. Neben den auf dem Fluss
Lajta (Leitha) tätigen Mühlen des Königs, verfügten auch die Einwohner
der Stadt über mehrere Mühlen. Königin Elisabeth erkannte die
Urbanisation der Stadt an, als sie im Jahre 1354 Óvár in den Rang der
Königinnenstädte hub. Damit sicherte sie der Stadt folgende Sonderrechte
zu: eigene Rechtsprechung, freie Wahl des Oberpfarrers, Erbfolge und
Zollfreiheit für die Bürger auf dem Gebiet ganz Ungarns. Nagy Lajos
(Ludwig der Große) und auch Zsigmond (Siegmund) haben diese Privilegien
bestärkt, die Stadt musste allerdings immer einen harten Kampf um die
Durchsetzung ihrer Rechte führen. Ab dem 14. Jahrhundert war die Óvárer
Burg Sitz des Mosoner Obergespan, und ab dem 15. Jahrhundert gelang sie
in den Besitz der Familie Wolfurt, und danach in den Besitz der Familie
Szentgyörgyi (Bazini). Anlässlich ihrer Hochzeit in Buda schenkte im
Januar 1522 Ludwig der Zweite seiner Frau, Königin Maria die Stadt, und
von diesem Zeitpunkt an ist die Stadt eng mit den Habsburgern für viele
Jahrhunderte verbunden, und wurde zu einer vorgeschobenen Bastei des
Schutzes Österreichs.
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Die Geschichte
Magyaróvárs und Moson ab dem Unheil von Mohács bis 1848
Im Jahre 1529, als die Türken ihren Rückzug aus Wien als geschlagenes
Heer antraten, zündeten sie die Stadt und die Burg an. Zu diesem
Zeitpunkt wurde die zweitürmige, romanische Kirche und die aus dem
Mittelalter stammende Urkundei des Komitates, gemeinsam mit vielen
anderen Werten zerstört. Viel Leid verursachten ebenfalls die um den
Besitz des Landes kämpfenden Armeen von Szapolyai János und Ferdinand
dem Zweiten. Nach dem Auftritt von Martin Luther verbreiteten sich die
Lehren der Reformation schnell. Bis Mitte des 16. Jahrhunderts waren die
Hälfte der Einwohner von Magyaróvár Protestanten. Damals ließ sich Gál
Huszár, Gelehrter, Prediger und Wander-Buchdrucker, in der Stadt nieder.
1555 gründete er die erste Schule Magyaróvárs, und unterrichtete auch in
Moson. Aus seiner Druckerei stammen drei bedeutende Werke aus Sicht der
Religion und der Literatur. Ebenfalls hier begann er mit der Anfertigung
seines berühmten protestantischen Gesang-buches, welches er allerdings
wegen den ständigen Molesten in Debrecen beendet hat. Ein
Kammerbeschluss von 1672 verbot in der Stadt die Ausübung der
protestantischen Religion, ihre Schule und die Kirche wurde geschlossen.
Die Stadt führte die präjudizierliche Gegen-reformationsbestimmung nur
zum Teil durch, und so wurde niemand zur änderung seiner Religion
gezwungen.
Da Moson und Óvár oft auf dem Weg der Heere lag, zündeten nach der
Verwüstung der türkischen und deutschen Söldnern im 16. Jahrhundert die
Heiducken von Bocskai die Burg 1605 an, und im Jahre 1619 wurde sie von
Gábor Bethlen für 2 Jahre besetzt. Nach der Besetzung von Buda und dem
Fall von Gyor im Jahre 1594, wurde die Burg anhand von italienischen
Genieoffizieren verstärkt und modernisiert, die sternförmig platzierten
Türme wurden mit einem, durch Steinmauerung verstärkten Erdwall
verbunden. 1607 wurde die an den zwei Ufern der Leitha stehende
herrschaftliche Mühle umgebaut und mit modernen Anlagen ausgestattet.
Der Zoll, der bezüglich der aus dem Land gebrachten Tiere und Produkte
eingehoben wurde, wuchs rapide, die Einnahmen nach dem sogenannten
Dreißigstel Zoll von Magyaróvár machte die Hälfte der Zolleinnahmen des
Landes aus. Diese immense Summe verwendeten die Habsburger allerdings
meistens zur Deckung ihrer familiären Ausgaben, die Stadt erhielt davon
nur ein geringen Anteil. Obwohl die Eigenständigkeit, und die
Sonderrechte der Bürger von Magyaróvár durch das Gesetz von 1556
gesichert wurden, und die auch von Ferdinand 1557 und Miksa Erzherzog
1558 bekräftigt wurden, kämpfte die Stadt andauernd um die
Geltendmachung ihrer Rechte mit der Burgherrschaft. Die Kosten des
Militärs bedeuteten eine große Last für die Einwohner, und die Soldaten
und die Burghauptmänner scheuten auch vor Übergriffen nicht zurück.
Immer Anfang des Jahres fanden sich die Bürger nach dem Gottesdienst im
Rathaus zusammen, und wählten in geheimer Abstimmung einen Richter.
Bürger konnte nur der sein, der ein Haus oder ein Gewerbe in der Stadt
hatte. 1584 betrug die Zahl der, die Stadt leitenden Bürger 54, und auch
nur ein Jahrhundert später betrug ihre Zahl 63. Die Hauptaufgabe des
Stadtrichters war Gewährleistung der Ordnung der Stadt und des ruhigen
Lebens und der Geltendmachung der Rechte. An Gerichtstagen fällte er in
seinem Hause Urteile, während im Rathaus der Notar die
Verwaltungsangelegenheiten leitete. Abends wurden die Stadttore
geschlossen, und ab diesem Zeitpunkt war es verboten, sich auf der
Straße aufzuhalten. Die Bürger der Stadt organisierten die Feuerwache,
und zum Schutz der Bevölkerung die Bürgerwache. Im 17. Jahrhundert wurde
für die Armen sogar ein Armenhaus gegründet. Im Jahre 1665 stieg als
Mitglied einer türkischen Delegation in der Stadt der berühmte Reisende
Evlia Cselebi ab, der anhand seiner eigenen Erlebnisse das damalige Óvár
beschrieb. Zu dieser Zeit waren die zwei berühmten Gasthöfe der
Vorfahren (Ranthof) des Fekete Sas (Schwarze Adler) und außerhalb der
Stadtmauern der riesige Ökör (Ochsen) Gasthof.
Im Jahre 1683 nach der erfolglosen Belagerung Wiens haben die Türken
Moson, Óvár und fast alle Siedlungen des Komitates niedergebrannt. Zu
diesem Zeitpunkt wurde fast die ganze Urkundei der Stadt zerstört, und
damit auch die Dokumente der Innungen. Ab 1640 waren bereits Schirr- und
Sattlermacher, Kürschner, Donaumüller, Schuster, Fassbinder, Knopfmacher
und Mosoner Tauschläger tätig. Ab 1609 wurden zum Aufbau der Kirche in
der städtischen Ziegelfabrik Ziegel zwei Jahre lang gebrannt.
Zur Zeit des Rákóczi Aufstandes konnten die Kurutzen in der Stadt nicht
dauerhaft Fuß fassen, und nach dem Sturz des Freiheitskriegs wurde die
Ausrüstung der, ihre militärische Bedeutung verlorenen Burg 1712 nach
Pressburg gebracht. Durch die Gegenreformationsmaßnahmen und die
wirtschaftliche Macht der Gutsherren unterstützt bauten die
Reichsverweser des Habsburger Besitzes die schwer bewahrten Privilegien
der Stadt allmählich ab. Nur einige Richter wagten es sich den
übermächtigen Gutsherren entgegenzusetzen. Von diesen war András
Kehrling der mutigste und erfolgreichste, allerdings gelang auch ihm
nicht die zur ewigen Befreiung der Stadt nötige Summe, wegen der
Kriegsschatzung der Kurutzen, zusammenzutragen. Im Jahre 1716 hob die
Hofkammer die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Stadt auf, und nach
einigen Jahren wurden auch die Patronatsrechte von den Gutsherren an
sich gerissen.
Nach Beendigung der Kriege erlebte der Handel und das Innungsgewerbe in
Moson und Magyaróvár wieder einen Aufschwung. Neben dem blühenden
Viehhandel wächst ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die
Bedeutung des Getreidehandels Mosons und der Mühlenindustrie immer mehr.
Im Jahre 1743 wurde die Taxe der am Ufer der Donau anlegenden Schiffe
auch offiziell bestimmt, und im Interesse des störungsfreien Transportes
wurde die Reinigung des Flussbettes der Mosoner-Donau verordnet. In
diesen Jahren festigte sich die Position der alten Innungen, und sogar
Neue wurden gegründet. In Óvár ist die Apotheke zur Helfenden Maria seit
1690 tätig, und zur Verbesserung des Gesundheitswesens wurde seit 1736
ein Stadtarzt engagiert. Ein bedeutendes Ereignis im Leben der Stadt
war, dass im Jahre 1739 aus dem Nachlass der Familie Zsidanits ein
Piaristen Gymnasium gegründet wurde. 1766 schenkte Maria Theresia ihrer
Tochter, Maria Christina das Magyaróvárer Hofgut. Das Hofgut wurde ab
1770 mit Blutbann ausgestattet, welches die Demütigung des
Stadtvorstandes ermöglichte. Josef der Zweite vereinte die Komitate Gyor
und Moson durch eine Verordnung, und während seiner Herrschaft verfügten
die Gutsherren mit Vollgewalt über die Stadt. All dies erweckte großen
Widerwillen unter der Bevölkerung, aus diesem Grund wurde 1794 eine
Delegation nach Wien und nach Buda zum Zweck der Beseitigung der
Missstände, entsandt. Als Ergebnis dieser Mission schlossen die
Eigentümer nach einer Verhandlungszeitdauer von 2 Jahren mit der
Bezeichnung Liber Regulationis eine Vereinbarung mit der Stadt, die bis
zum 2. Weltkrieg das Verhältnis der zwei Parteien regelte. 1809
brauchten die Soldaten Napoleons die Vorräte der Stadt so weit auf, dass
der geplante Loskauf überhaupt nicht in Frage kommen konnte.
Herzog Albert Kasimir, Eigentümer der Magyaróvárer Länderei, gründete
1818 eine Wirtschaftslehranstalt, damit er für seine Besitztümer
Fachleute mit einer Hochschulaus-bildung ausbilden konnte. Dieses
Institut war mit einer Unterbrechung von mehreren Jahren abgesehen,
kontinuierlich tätig, und sein Rechtsnachfolger ist die heutige
Universität. Die berühmten Professoren des Institutes verschafften der
Universität von hohem Niveau einen Namen, und machten die Landwirte mit
fortschrittlichen Methoden bekannt. Weiterhin übernahmen sie eine
bahnbrechende Rolle in der Forschung und Entwicklung. 1776 gründete
Maria Christina eine Tuchfabrik in Moson, zur Verarbeitung der Wolle der
auf ihren Grundstücken gezüchteten Schafen, die bis 1809 in Betrieb war.
1835 gründete Sándor Czéh, erfolgreicher Buchdrucker, eine Werkstatt in
der Stadt. Im Jahre 1847 wurde Graf István Széchenyi zu einem der
Abgeordneten von Moson zur Reformabgeordnetenversammlung gewählt.
Von 1848 bis Ende des 2. Weltkrieges
Die Nachricht über die im März stattgefundene ungarische Revolution
gelangen bald nach Óvár und Moson. Czéh Sándor gab mit dem Titel Der
Emancipierte Satanas eine, die Wiener Regierung kritisierende Zeitung
heraus, die als erstes Periodikum des Komitats Moson betrachtet werden
kann. Im Sommer 1848 wurde die Bürgerwache der zwei Siedlungen
organisiert, die allerdings gezwungen war am 8. Oktober wegen der
Übermacht von Jellasich den Rückzug anzutreten, die hinterlassenen 40
Soldaten wurden allerdings von den Husaren der befreienden ungarischen
Armee niedergemetzelt. Am 23. Oktober sprach Lajos Kossuth eine Rede vom
Balkon des erzherzoglichen Schlosses. Im Dezember eroberte
Oberbefehls-haber Windischgrätz die Stadt zurück, und damit begann eine
neue dauerhafte Oberhoheit der Habsburger in den beiden Siedlungen.
1842 haben die erzherzoglichen Gutsherren das im Mosoner Hafen
errichtete Getreidelager in eine Zuckerfabrik umgebaut, die bis zu ihrer
Auflösung im Jahre 1873 die Zuckerrübenernte der Umgebung verarbeitete.
1855 wurde die erste Bahnstrecke zwischen Gyor und Bruck gebaut, ab
diesem Zeitpunkt wurde das Ladegut der Schiffe in der hiesigen
Eisenbahnstation auf Wagons verladen. Die 1856 gegründete Mosoner
Maschinenreparaturwerkstatt wurde von Ede Kühne zu einer berühmten
landwirtschaftlichen Maschinenfabrik ausgebaut. 1899 gründete die
Hirtenberger Munitionsfabrik in Magyaróvár einen Zweigbetrieb. 1913
wurde hier mit dem Bau der großen Waffenfabrik der Monarchie begonnen,
die nach dem Frieden von Trianon abgebaut und zum größten Teil
vernichtet wurde. Auf dem gewaltigen baureifen Gelände wurde 1923 die
erste Kunstseidenfabrik des Landes in Betrieb genommen, 1934 die erste
Tonerdefabrik, und 1935 die Zahnbürstenfabrik.
1863 wurde das Karolina Krankenhaus in Magyaróvár eröffnet, und auch die
ärztliche Versorgung der sozialen Einrichtungen (Armenhaus,
Unterkunftshaus) wurde geregelt. Der erste Kindergarten wurde in Moson
1881 von Károly Ostermayer gegründet, 1882 wurde der Geschichts- und
Altertumsverein erschaffen, der das Museum gründete. 1874 bekam das
wirtschaftliche Lehrinstitut den akademischen Rang verliehen, dessen
Lehrer mehrere Forschungsinstitute in Magyaróvár gründeten.
Infolge des Friedens von Trianon wurde die Eigenständigkeit des Komitats
Moson aufgehoben, es verlor fast Zweidrittel des Gebietes, und auch Óvár
und Moson wurden vom größten Teil ihrer wirtschaftlichen Kontakte
getrennt. Ende 1930 lebten in Magyaróvár 7287 Ungarn, 1205 Deutsche und
41 Kroaten, in Moson betrug die Zahl der ungarischen Einwohner 4619, es
gab 1701 deutsche Einwohner und 61 Kroaten und Slowaken. Schon 1908
tauchte der Gedanke der Vereinigung der zwei Siedlungen auf, die
schließlich durch den Beschluss des Innenministeriums ausgesprochen
wurde, und von den beiden Gemeinderäten am 28. Juni 1939 zeremoniell
bewilligt wurde. Gemäß den Daten der 1941 durchgeführten Volkszählung
waren 83 % der 17 073 Einwohner Ungarn, 13 % Deutsche, 3 % Juden und 1 %
gehörten sonstiger Nationalitäten an. Ungarns Wirtschaftspolitik während
des Krieges brachte auch in Mosonmagyaróvár einen Aufschwung mit sich.
Es gab keine Arbeitslosigkeit, die Industrie und die Bauindustrie
beschäftigte 47,5 % der Menschen, 17,8 % arbeiteten in der
Landwirtschaft, und 8,4 % im Verkehr, im Handel und in verschiedenen
Dienstleistungen. Die Produktion der Kühne Landwirtschaftlichen
Maschinenfabrik stieg von 1939 bis 1943 auf fast das dreifache, die
Jagdpatronenfabrik und die Bauxit Industrie Ag. wurden ebenfalls zum
Rüstungsbetrieb umgebaut. Im Herbst 1942 bekam die Landwirtschaftliche
Akademie den Hochschulrang verliehen, und die 4 jährige Schulung wurde
eingeführt. Im Mai 1944 wurden 466 Juden aus Mosonmagyaróvár deportiert,
bis zu den letzten Tagen des Kriegs wuchs die Anzahl der Einwohner auf
45 000. Ende März 1945 sprengten deutsche Soldaten die Brücken der Stadt
und den Radiofunksendeturm. Am 1. April besetzten die russischen Truppen
ohne größere Gefechte die Stadt.
Vom 2. Weltkrieg bis heute
Die Stadt erlitt verhältnismäßig wenige Kriegschäden, doch wegen der
Lahmlegung des Verkehrs, und des Material- und Arbeitskraftmangels
begann die Produktion in den Betrieben nur sehr langsam. 1946 wurden die
Mitglieder der SS, des Volksbundes und auch die Menschen ausgesiedelt,
die sich 1941 als deutsche Muttersprachler oder als Deutsche bekannt
haben. 1946 startete der Busverkehr der Stadt, und bis 1948 wurden
einige dauerhafte und Notbrücken fertig gestellt. Bei der Wahl im Jahre
1947 (Sozialdemokratische Partei 33,3 %, Demokratische Volkspartei 27,9
%, Ungarische Kommunistenpartei 27,5 %, sonstige 11,3 %) war das
Ergebnis ähnlich der Wahl von 1945 (Sozialdemokratische Partei 37 %,
Unabhängige Partei der Kleinen Landwirte 30 %, Ungarische
Kommunistenpartei 22 %, sonstige 11 %). 1948 und 1949 wurden die
wirtschaftlichen Organisationen und die Bildungsstätte verstaatlicht.
Die aufgelöste Akademie wurde 1954 neu organisiert. 1959 kam aus
mehreren kleinen Wirtschaften das Lajta-Hanságer Staatsgut (Lajta-Hansági
Állami Gazdaság) zustande. 1950 gelang das Museum in staatliche
Verwaltung, 1951 öffnete die Stadtbibliothek ihre Pforten und ebenso
mehrer Kulturräume. Am 26. Oktober 1956 wurden die vor die
Grenzpostenkaserne der Staatsschutzbehörde marschierenden Demonstranten
von zwei Geschützsalven und von Handgranaten empfangen. Die barbarische
Vergeltung hatte mehr als fünfzig Tote und Dutzende Verletzte. Ab Ende
Oktober marschierten zehntausend Flüchtlinge durch die Stadt in Richtung
westliche Grenze.
In der eingeschüchterten und für schuldig erklärten Stadt begann das
Leben nur wieder langsam. 1959 wurde der Ordnungsplan der Stadt
angefertigt, der auf dem leeren Gebiet zwischen Moson und Magyaróvár die
Errichtung eines neuen Stadtzentrums vorsah. 1957 wurde die
landwirtschaftliche Akademie zum Universitätsinstitut erklärt, und die
Schulungszeit wuchs auf 4 Jahre. 1969 wurde das Thermalbad mit zwei
Sitzbecken eröffnet. In den Jahren zwischen 1960 und 1990 wurden vier
neue Kindergärten, 2 Schulen, ein Postamt, ein Polizeiamt, ein
Kulturzentrum, ein neues Gymnasium und eine
Facharbeiterausbildungsschule gebaut, und auch die
agrarwissenschaftliche Universität wurde erweitert. 1993 konnte das
Museum das wunderschön renovierte Cselley Haus in Besitz nehmen.
Boothause wurden am Ufer der Mosoner-Donau errichtet, die Sportvereine
der Betriebe und der Universität hatten mehrere Fachsektionen, und ab
1969 nahm die Sportschule der Stadt ihre Tätigkeit auf.
Als Ergebnis der nach der Wende abgehaltenen Selbstverwaltungswahlen
wählte der von der Fidesz Partei angeführte Gemeinderat István Plutzer
zum Bürgermeister der Stadt. Binnen weniger Jahren erfolgte die
Privatisierung der Betriebe, und der Tourismus der Stadt wuchs weiter an
(Thermalbad, Einkauf, Dentalmedizin), als Folge dessen wurden zahlreiche
Privatunternehmen gegründet. Zwei grundlegende
Infrastrukturinvestitionen wurden verwirklicht: binnen 2 Jahren
(1996-1997) wurde die Gasversorgung der Stadt ausgebaut, und die
Erweiterung der Kanalisation ging schnell voran. Im Gymnasium Kossuth
Lajos wurde eine zweisprachige Schulung von sechs Jahren eingeführt, und
im einstigen Piaristengebäude wurde eine Piaristen Grundschule und ein
Gymnasium eröffnet. Seit den Selbstverwaltungswahlen von 1994 ist die
Ungarische Sozialpartei die stärkste Fraktion des Gemeinderates, und die
Einwohner haben dreimal hintereinander (1994, 1998, 2002) Pál Stipkovits
zum Bürgermeister gewählt. Seit 2007 ist Miklos SZABO von den Ungarischen
Demokraten Bürgermeister der Stadt.


